Früchte – alle mögen sie

In dieser Blogserie finden sich Geschichten rund um die Umsetzung des Themenweges „Via Sapiens“ nach den 17 Kapiteln des Buches „Urmensch-Feuer-Kochen“

Zur Zeit, da das wilde Völklein in den Flühen und auf den Alpen Burgfeld und Gemmenalp noch sesshaft war, stund in einer Matte im Spirenwald ein alter, grosser Kirschbaum. Derselbe war ausserordentlich fruchtbar und trug alle Jahre, selbst in Fehljahren, die schönsten Kirschen. Man nannte ihn nur den Zwergenbaum, denn wie es heisst, war ein Bergmännlein mit der Bauernfamilie, der der Baum gehörte, eng befreundet und kam oft von den Bergen herunter zu ihr „z’Abesitz“. Am häufigsten fand es sich ein, wenn die Kirschen reif waren. Da ging es allemal nach dem Abendsitz zu jenem Kirschbaum, setzte sich auf den untersten Ast – immer auf den gleichen – ass da nach Herzenslust und trug alle an dem Aste noch übrigen Kirschen heim ins Gebirge. Merkwürdigerweise war der Ast jeden Morgen wieder „trübelt voll“. Die Leute, zu denen das Bergmännlein kam, wunderten sich, warum dasselbe nie etwas von seinem Kirschengewinnen sage. Eines Abends durchsägte der Eigentümer des Baumes teilweise den Ast. Und richtig, in derselben Nacht stürzte der Zwerg mit dem Ast zu Boden. Darauf trat das Bergmännlein vor das Fenster des Hauses besagter Familie und rief: Heute hierhar und nimmermehr dar! Von da an habe es sich nie wieder sehen lassen. Auch sei der Baum noch lange Zeit hernach gestanden, aber habe fortan keine einzige Kirsche mehr getragen.

Die Australopeciden lebten vor 4‘000‘000 in Afrika 

Von uns Früchten und Nüssen genossen sie das Fruchtfleisch

Inzwischen ging die Zeit vorbei und jener Kirschbaum steht längst nicht mehr in Beatenberg. Irgendwo lebt das Bergmännlein aber vielleicht immer noch und wartet darauf, dass wieder Menschen kommen, die einen neuen Kirschbaum pflanzen.

Seit kurzem steht nun ein neuer, junger Kirschbaum unterhalb des Hotels Beausite/Fassbind. Mit dem kürzlichen Zuzug der neuen Hotelbetreiber, der Familie Fassbind aus Zug, kamen weltbekannte Freunde der Kirsche nach Beatenberg.

Vor 820 Jahren  zogen die Vazpind, die – wie der Name „Fass-Binder“ sagt – den Beruf der Küfer ausübten – aus Holland an den Zugersee. Dort entwickelte sich in dieser Zeit die Kirschbaumkultur. Gemäss der Chronik haben die Fassbind  viele Auszeichnungen gewonnen: Ob in Italien wo 1860 König Vittorio Emanuele II bei der Medaillen Verleihung zum Ausspruch «La vita è più bella con il Kirsch Fassbind», hingerissen wird oder an der Weltausstellung in London 1862 an der Königin Victoria sehr trocken bemerkt «Very fruity this Fassbind Kirsch, is it not?» und in Österreich um 1873, wo Kaiser Franz Josef l begeistert in die Menge ruft «Fesch ist er, der Fassbind Kirsch», dem russischen Zar Nikolaus ll fehlen bei so viel Genuss gar die Worte, so dass er kurzerhand Fassbind zu seinem Hausbrand macht.

Wer weiss, vielleicht hört man auch in Beatenberg bald wieder Sätze wie: «La vita è più bella con il Kirsch Fassbind». Mit dem Spatenstich wurde jedenfalls ein erster Schritt gemacht. Der Platz in der Waldegg bietet den nötigen sonnigen Standort. Und mit Hilfe von Pflanzenkohlen-Substrat und Terra Preta ist auch für den von der Kirsche geliebten, nährstoffreichen, durchlässigen und feuchten Boden gesorgt.

Beitrag Jungfrauzeitung

 

Verbotene Frucht im Paradies?

In dieser Blogserie finden sich Geschichten rund um die Umsetzung des Themenweges „Via Sapiens“ nach den 17 Kapiteln des Buches „Urmensch-Feuer-Kochen“

Im Juni 2021 war ich mit dem Beatenberger Fotografen Fritz Bieri auf dem Themenweg unterwegs. Mit dabei hatte ich die Stecknadeln mit dem gelben Kopf und die von Hans-Peter Hufenus und mir vorbereitete Landkarte. Die gelben Stecknadeln wurden an den von uns vorgesehen Stationen in die Erde gesteckt. So fand bei einer verlassenen wirkenden Liegenschaft mit einem interessanten, wilden Garten uf Schmocken eine dieser Stecknadeln seinen Platz.

Einige der von uns so platzierten Stecknadeln verschwanden in den nächsten Monaten. Die Nadel bei diesem ominösen Haus aber blieb tapfer stehen. Viele Male bin ich dort auf dem Weg durchs Grön auf den Berg durchgefahren. Immer habe ich die Nadel gesehen, nie einen Menschen. Was ist das für ein Haus? Leben Menschen dort und wem gehört die Liegenschaft?

Im habe dann die Eigentümerin der Liegenschaft ausfindig gemacht und endlich sollte sich das Geheimnis lüften: Ich ging wieder zu dem Haus und siehe da, es hat Menschen dort. Eine Frau und ein Mann sitzen auf der Laube und trinken Kaffee. Ich gab mir einen Ruck, ging auf sie zu und grüsste freundlich. «Bist Du nicht der Christian Mulle?» schaute mich die Frau erstaunt an. Tatsächlich kannten wir uns aus früheren Zeiten, als wir zusammen in der gleichen Firma gearbeitet hatten. Kurzerhand luden sie mich zum Kaffee ein und ich erfuhr die Geschichte von diesem Haus. Es war das «Rock n Roll Chalet», wo vor 30 Jahren ein paar Musiker aus Bern dieses Haus mieteten und sich in unregelmässigen Abständen dort trafen um Musik zu machen und das Leben zu geniessen.

Vor 14‘000 Jahren begann die „Vertreibung aus dem Paradies“

War ich Bohne wohl die Frucht vom verbotenen Baum?

Als wir auf den Garten und die Ideen zu unserer «Bohnenstation» zu sprechen kamen, erwähnte meine Bekannte, dass seit einem Jahr eine Gärtnerin Mitmieterin sei und dass sie zu diesem Garten schaue.

«Wie heisst denn diese Gärtnerin?» Sie schrieb mir den Namen auf einen Zettel und ein paar Tage später sitzen wir also in der Gartenbauschule Hünibach. Wo Katrin Morina, die Hüterin des Gartens beim Rock n Roll Chalet, arbeitet.

«Bohnen sind cool! Da helfe ich gerne mit», sagt Katrin und ihre Augen strahlen. Die Oktobersonne scheint uns ins Gesicht und wir schmieden Pläne für die Station «Bohne» unseres «via sapiens».

Symposion

Der Begriff Symposium stammt vom griechischen Wort Symposion, das sinngemäss steht für gemeinsames, geselliges Trinken. „Der erste Schluck Wein aus einer die Runde machenden Schale wurde zu Ehren des guten Geistes, des Diamon getrunken. Anschließend wurden nur für das Symposion bestimmte Lieder gesungen. Man scheint sich überwiegend der geistigen Unterhaltung gewidmet zu haben: Man improvisierte Reden zu einem bestimmten Thema, löste Rätsel, die man sich gegenseitig aufgab, oder entschied sich für das beliebte Spiel, treffende Vergleiche zu finden“  Wikipedia

In dieser Tradition legte c-werk den Anlass vom 2. – 4. September in Beatenberg an; einen internationalen Pflanzenkohlenkongress mit dem nun schon zum zweiten Mal stattfindenden Kohlenfestival zusammenzulegen

Ist das gelungen? Diese Stimmen geben eine Antwort

Einer der Höhepunkte des Symposiums war der Vortrag von Hans-Peter Schmidt: Zurück in den Stollen

Yara Frank hat mit ihrer Kamera die Atmosphäre auf dem Festivalgelände eingefangen und einen Trailer zusammengestellt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Klimabier?

Nach dem Reinheitsgebot benötigt man zum Bierbrauen Braumalz, das aus Braugerste gewonnen wird. Die bei der Bierherstellung entstehenden Rückstände des Malzes nennt man Treber.

In Ringgenberg, wo Burgbier demnächst mit dem Bau einer neuen Brauerei beginnt, kommt bei der Firma Beo-Pellets ein Pyrolyseofen zu stehen. In Kombination mit einer Kompostieranlage wird dann mit der produzierten Pflanzenkohle Terra Preta hergestellt.

Damit kann ein interessanter Kreislauf hergestellt werden. Der Treber wird dem Kompostiergurt dazugegeben. Die Terra Preta kommt auf den Gerstenacker. Durch die Pyrolyse von Biomasse und das Einbringen der entstandenen Pflanzenkohle in die Erde wird der Atmosphäre CO2 entzogen.

Mit anderen Worten, die Brauerei Burgbier wird damit in die Lage kommen, ein Klimabier herzustellen. Die verwendete Pflanzenkohle wird sich Beochar nennen, d.h. Berner Oberländer Kohle. Und weil der englische Begriff für Pflanzenkohle Biochar heisst, klingt das sehr ähnlich.

Am Cholefestival vom 2. – 4. September in Beatenberg wird es neben dem Zapfbier auch ein mit Pflanzenkohle scharz eingefärbtes Bier geben.

Zermattkaffee

Wir sitzen in der Schmiedewerkstatt von Tizian Burgener in Steffisburg und trinken einen speziellen Kaffee, der aus einer Kaffeerösterei jenseits der Berner Alpen, nämlich aus Zermatt stammt. Christian Mulle hat ihn zubereitet; im Moka Pot auf dem kleinsten Pyrolyse-Kocher, den es gibt.

Der aus Italien stammende Moka Pot wurde von Luigi de Ponti erfunden und im Jahre 1933 für Alfonso Bialetti patentiert. Der Moka Pot hat in den letzten Jahren sein Comeback gefeiert, vor allen Dingen wegen der Einfachheit in seiner Bedienung. Hier kommen weder High-Tech-Maschinen noch komplizierte Elektronik oder Software zum Einsatz. Nichtsdestotrotz ist das Endprodukt ausgezeichnet;

der Kaffee ist sehr reichhaltig und delikat im Geschmack.

Bei der Kaffeeherstellung entstehen Biomassenrückstände, die pyrolysiert werden können. Der in Zermatt gerösteten Kaffee kommt aus einer Plantage in Minas Gerais, Brasilien, wo zur Verbesserung der Humusqualität Pflanzenkohle eingesetzt wird. Die «Fazenda da Lagoa» verfügt über eine 2000 Hektaren grosse Kaffeeplantage mit einem ganzen Dorf und eigenen Bussen, eigenen Labors, eigenem Klärwerk, eigenes Kompostierwerk, eigenen Wälder für das Brennholz für die Trocknungsöfen. Es wurde dort eine Kaffeesorte gezüchtet, die keine Schattenbäume braucht. Die Buschreihen sind so geschnitten, dass sie sich selbst beschatten.

Am Kohlenfestival wird dieser Kaffee mit Moka Pots auf den Pyrolysekochern gebraut

Neolithikum, Feuer und Tschernosem

Es ist schon eine eigenartige Geschichte mit den agrarisch gewordenen Menschen und der schwarzen Erde. Was war zuerst da? Das ist gar keine unberechtigte Frage…

Im allgemein gültigen wissenschaftlichen Verständnis gelten schwarze Tschernosem-Böden als unter kontinentalen Steppenklima, aus kalkreichen Lösserden und Überresten von Steppengräsern natürlich entstandene Erden. Unter den Bedingungen trockener, winterkalter und sommerheißer Wechsel der Witterung baut sich organisches Material sehr langsam ab und führt so zur Bildung Dauerhumus.

Besonders kohlenstoffreiche, unlösliche Anteile davon werden unter dem Begriff Humine zusammengefasst. Also jene Anteile des Humus, die der Pflanzenkohle in ihrer Funktion stark ähneln. (das C/N-Verhältnis 10-12 von Tschernosem ist praktisch ident mit der Terra Preta Amazoniens)

Doch die genauen Mechanismen, die zu dieser Art der Humifizierung führen, sind bis heute nicht vollständig geklärt. Humusforschung zu betreiben ist eben auch eine schwierige, extrem komplexe Angelegenheit. Letztendlich ist sie immer empirisch bzw. beobachtend geblieben, aufgrund der Tatsache, dass der Lebensraum Boden (Edaphon) von viel zu vielen verschiedenen Parametern (Temperatur, Nährstoffverhältnisse, Wasser, Luft, Bodenphysik, Ausgangsgestein, Licht, uvm.) beeinflusst wird. Ein Raum ständiger Auf-, Um- und Abbauprozesse, die noch dazu gleichzeitig ablaufen und speziell, wenn man bedenkt, dass schon ein Teelöffel voll Erde geschätzte 200 Meter an Pilzfäden und rund eine Milliarde verschiedenster Bakterien beherbergt. Es ist und bleibt ein großes Wunder, dieses unüberschaubare Spiel mit so vielen unterschiedlichen Mitspielern, verstandesmäßig kaum zu beherrschen.

Aber es gibt auch interessante Stimmen aus der Wissenschaft, die die Entstehung des Tschernosems dem Menschen und die Nutzung seines Verbündeten dem Feuer zuschreiben und in ihrer besonderen Schwärze zumindest teilweise einen pyrogenen Ursprung vermuten.

What does the ceramist have to do with the blacks

Dazu hätte ich auch noch ein Stück uraltes, heute christianisiertes, Brauchtumsrelikt entdeckt. Beim Nestiravo-Fest in Bulgarien tanzt man bis heute über glühende Kohlen bis sie erloschen sind, um so dieses Bündnis zwischen Menschen, Himmel, Feuer und Erde zu erneuern und so um Wohlergehen des Dorfes und Fruchtbarkeit zu bitten.

Doch dass die schwarze Erde und ihre Fruchtbarkeit andernorts immer wieder unersättliche Begehrlichkeiten hervorrief, zieht sich wie ein roter Faden durch eine langandauernde eurasische Geschichte und die unzähligen Lebensgeschichten der Menschen, die auf ihr lebten und leben.

Dazu ein Song der ukrainischen Band Dakh Daughters

Franz Schweinberger

In vino veritas

Wir wünschen allen Besuchern des Cholefestivals ein spannendes Symposium und freuen uns mit unseren Weinen dabei zu sein. Unsere Mosel-Weine sind Naturprodukte — sie stehen für ihre Herkunft, sind ehrlich und handwerklich gemacht. Sie sollen schmecken und einfach Freude bereiten! Richtig guter Wein braucht richtig guten Boden. Deshalb haben wir uns vor über zehn Jahren für den ökologischen Weinbau entschieden. Unsere wichtigsten Werkzeuge sind dabei die Einsaat von artenreichen Begrünungen und das Ausbringen von Komposten mit Pflanzenkohle.

Während meines Studiums habe ich in meinem Berufspraktischem Semester einige Monate bei Romaine und Hans-Peter Schmidt auf der Domaine de Mythopia Erfahrungen zu diesen Themen sammeln dürfen. In den vergangenen Jahren habe ich diese Techniken auf unseren Betrieb angepasst. Wir stellen unsere Biokohle vorwiegend selbst her.

Im Weinbau kommen große Herausforderungen auf uns zu. Die Veränderungen des Klimas sind jetzt schon deutlich spürbar. Von dem Einsatz der Begrünung in Verbindung mit der selbst hergestellten Terra Preta versprechen wir uns Vorteile beim Humusaufbau, bei der Wasserspeicherung für trockene Sommer, für die Artenvielfalt im Weinberg, zum Schutz vor Erosion, für gesündere Pflanzen, weniger Pflanzenschutz und nicht zuletzt bei der CO2-Speicherung. Wir denken, dass wir damit auf dem richtigen Weg sind unsere Böden zu verbessern, und der Natur, den Bewohnern und Besuchern an der Mosel etwas Gutes zu tun.

Ein Prosit von der Mosel

Alexander Arns

Whiskey Time

Als ich ins literarische Alter kam, war Old Shutterhand mein erster Romanheld; aber bald folgten Billy Jenkins, Jerry Cotton, Billy the Kid und Wyatt Earp. Ich staunte immer wieder darüber, wie diese Helden der Prärie ihren Durst an Saloontheken löschten, indem sie Whisky in einem Schwung in ihre staubigen Kehlen kippten. Das waren schon hartgesottene Burschen. So einer wollte ich auch werden.

Viele Jahre später war es dann soweit; Route66 rief und ich verschiffte mich mitsamt meinem Motorrad nach Amerika. In der Schiffskombüse erhielt ich meine Whisky-Taufe. War schon ein hartes Zeug und ich schaffte nur kleine Züge. Es muss mir aber offensichtlich geschmeckt haben; jedenfalls schafften es ein paar Seeleute, mir zwei Flaschen – Schiffe sind ja dutyfree – anzudrehen.

So furchtlos wie meine alten Westernhelden war ich allerdings nicht, gleich in den Wilden Westen aufzubrechen. Ganz brav besuchte ich erst eine Sprachschule und so standen die beiden Red Label Flaschen vorerst mal in meinem Zimmerchen im Studentenheim. Statt nach einem Ritt in den Sonnenuntergang genoss ich den Blick auf den Sonnenuntergang am offenen Fester – das waren meine ersten Whiskey-Abende in Amerika.

So gingen die Tage dahin, und wie dann die erste Flasche zur Neige ging, flüsterte mir auf einmal eine Stimme ins Ohr: „Du wirst noch süchtig, wenn du so weitermachst!“. Das war’s dann – die zweite Flasche wurde einem Studienkollegen verkauft und meine Whisky-Karriere nahm ihr Ende. In den ganz seltenen Momenten, wo ich wieder einen Fingerhut Whisky bei Freunden probierte, kamen in mir sofort die Bilder jener Abende am offenen Fenster in Westside-Manhatten, wo sich der rote Abendhimmel im stillen Hudson River spiegelte.

Kürzlich wieder geschehen wie ich an einem Glas Jack Daniels nippte. Der Anlass war die Entdeckung, dass es einen Whiskey gibt, auf dessen Etikette zu lesen ist:

Mellowed for smoothness drop by drop through suger maple charcoal

Der Whiskey aus Tennessee fliesst also Tropfen für Tropfen durch eine Pflanzenkohleschicht vom Holz des Zuckerahorns und erreicht so seine Weichheit.

Heisser Video: Crafting Charcoal

Jack Daniels on the rocks am Cholefestival – Cheers!

 

 

 

¡Ah Chinampas!

Ich war ziemlich überrascht, als ich spätabends das Licht einschaltete und eine wunderschöne, große Libelle an der Wand in meiner Küche saß. Es hat schon eine gewisse Ironie, dass ein Wasserwesen wie die Libelle ausgerechnet in einer Küche nach erholsam-kühlender Frische sucht. Aber auch kein Wunder – da draußen herrschen Backofentemperaturen von 36 Grad im Schatten, die Luft wirkt staubig. Es herrscht Dürre, die Erde ist wie verbrannt und die Aussicht auf eine selbst kümmerliche Ernte der herbstabräumenden Kulturen schwindet – wieder einmal – mit jedem Tag ohne Regen.

Ich weiß nicht ob die „Terra-preta Menschen“ Dürreerfahrungen hatten, doch folgten sie übers Meer kommend, den großen Wassern stromaufwärts und jedenfalls dürften sie ursprünglich Wirtschaftsflüchtlinge gewesen sein – so die allgemein anerkannte Vermutung. Interessant erscheint mir, dass sie sich ausgerechnet einen Ort des guten, zukünftigen Seins gewählt haben, wo es auf den ersten Blick ganz und gar nicht danach aussieht. Ja eine dauerhafte Ansiedlung sogar ausgesprochen unattraktiv und verrückt erscheint. Heute würde man dieses Vorgehen wahrscheinlich „Blaue-Ozean-Strategie“ nennen.

Genauso agierten die präkolumbianischen Völker des heutigen Mexikos, die Tolteken, die Azteken, etc., die sich in Sümpfen niederließen.

Sie errichteten darin sowas wie Kanalsysteme aus rechteckigen Garteninseln, die aus Stämmen, Flechtwerk und aufgefüllten schwarzen Sumpfschlamm aufgebaut wurden. Jahr für Jahr wurde eine neue Schlammschicht aufgetragen, die düngte ihre Feldfrüchte und Gemüse und war völlig unkrautfrei. Die Blaugrünen Algen des Supfwassers (neuere Bezeichnung Cyanobakterien; gelten als älteste Lebewesen der Erde) sorgen für üppige Stickstofffixierung, die sich dann am Grund absetzt. Fische, Jagdtiere und Moschusenten (eine der wenigen domestizierten Haustierarten der Amerikas) sorgten für fleischliche Genüsse. Im salzigen Texcoco See wuchs die Alge Spirulina maxima, die heute als teures Superfood vermarktet wird. Sie betrieben so für lange Zeit eine sehr verlässliche und die ertragreichste Form aller bisher bekannten Agrarsysteme überhaupt in bereichernden Zusammenspiel mit dem Naturraum Sumpf. Vielleicht ist es diese Art von beobachtender Lassenskraft, des Mit-Denkens Mit-Fühlens und dieser Art der Wahrnehmung folgender Formgebungen, die diese einzigartige Chinampas-Landschaft mitgestaltet hat und sowas wie ein Allheilmittel für so vieles sein könnte. Es ist diese andere Seite der „Terra preta“, andere Seite der Inkohlierung von organischem Material, neben der Pyrolyse mit dem Feuer, die mikrobielle Karbonisierung der sauerstoffarmen, wässrigen Tiefen der Meere, Sümpfe, Teiche, Seen. Irgendwo dort wurde wohl auch diese wunderbare Libelle, die in meiner Küche saß, geboren – wie schön…

Hier eine Szene aus dem Film „Ya No Estoy Aqui“ (Ich bin nicht mehr da) mit einem jungen Mexikaner, der dem Fluch der Gewalt, Aussichtslosigkeit, illegaler Migration und des „Plata o Plomo“ (Silber oder Blei) des heutigen Mexikos für kurze Zeit entflieht und die Cumbia tanzt, und sich dabei, vielleicht sogar an die schwarze Erde der alten Chinampas erinnert.

Franz Schweinberger

Alchemistin der schwarzen Erde

Ich bin gerade bei der Weizenernte. Die Erträge sind gut, die Proteinqualitäten sehr hoch. Im besonderen Dank stehe ich den Forschungen einer besonderen Frau und Agrarwissenschaftlerin aus Brasilien – Johanna Döbereiner.

Man kann sagen, Brasilien wurde erst im 21. Jahrhundert zum Erdöl- und Erdgasland, davor war es lange Zeit abhängig von Importen von chemisch hergestelltem Stickstoff um die Landwirtschaft zu versorgen.

Stickstoff bildet mit 78 % den Hauptbestandteil der Luft und ist Basis zur Bildung von Eiweiß. Doch ist ein sehr energieintensives Verfahren nötig, um Luftstickstoff jene Wandlung zu geben, damit es pflanzenverfügbar wird.

Das Haber-Bosch-Verfahren ist ein großindustrielles chemisches Verfahren zur Synthese von Ammoniak. Es ist nach den deutschen Chemikern Fritz Haber und Carl Bosch benannt, die das Verfahren am Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten.

Das war eine große Sache, nun Brot quasi aus Luft (plus Erdgas plus viel Energie) erzeugen zu können. Doch war Anfang des 20. Jahrhundert die Herstellung von Stickstoff für die Herstellung von Sprengstoff eher im Fokus – und ganz klar kriegsentscheidend.

Zuvor wurde natürlich vorkommender „Chilesalpeter“ zur Herstellung von Dünger und Sprengstoff verwendet. Der wurde vor allem in der chilenischen Atacama-Wüste abgebaut und der Nachschub wurde während des 1. Weltkrieges durch eine Seeblockade unterbrochen.

Dieser 1. Weltkrieg mit seinen zahlreichen Chemie-Waffen wurde zu einem unvergleichlichen Ungeheuer.

Ab welchen Zeitpunkt die Chemie eher lebensfeindlichen Allianzen diente, ist mir unklar. Die Alchemie versuchte zumindest noch die stofflichen Wandlungen des Lebendigen zu erkennen und hegte auch eine gewisse Wertschätzung dafür. Doch dieser Zugang „Analyse“ – eben alles in seine stofflichen Einzelbestandteile zu zerlegen (somit meist zu töten), um es dann neu künstlich, besser, perfekter wieder zusammenzusetzen – kommt mir schon eigenartig vor. Es könnte sein, dass manche Dinge schon gut sind, bevor man sie analysiert und sie in noch ihren Lebensbezügen erkannt werden wollen. Vielleicht war auch Alchemie im ursprünglichen Sinne eher dem Blick auf das Zusammenspiel des Lebendigen zugetan. Immerhin stammt die Wortwurzel von Chemie/Alchemie vom altägyptischen Wort „khem“ oder „kemet“. Kemet heißt nichts anderes als „schwarze Erde“. Im Land Kemet (der Name des Ägypten, der ältesten Periode) erkannte man darin eine Art lebendige Ursubstanz aus dem sich das Leben entfalten kann.

Johanna Döbereiner war vielleicht so eine Alchemistin der schwarzen Erde im ursprünglichsten Sinne, die eher nach den lebendigen, synergistischen Verbindungen – den vielen Möglichkeiten der biologischen Stickstofffixierung – Ausschau hielt.

Damit beimpfe ich Jahr für Jahr meine Weizensaat und wurde nie enttäuscht, danke Johanna! Beimpfung mit freilebende Stickstofffixierern bei Nicht-Leguminosen ist in Europa – dank europäischer Agrarlobby – nahezu unbekannt und wird an Schulen nicht unterrichtet, aber in Brasilien und Indien seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt; siehe: Azospirillum

Franz Schweinberger

 

 

 

 

 

 

Das Akkordeon und die schwarze Erde

Im Alter von sechs Jahren erhielt Floriano von seinem Vater, ein bekannte Musiker in Brasilien, ein Akkordeon. Mitten in seiner internationalen musikalisch-akademischen Karriere, die ihn in vor vielen Jahren die Schweiz geführt hatte, begann Floriano vor kurzem wieder auf diesem Akkordeon zu spielen. Genau in diesem Moment trifft er zufällig Hans-Peter Hufenus vom c-werk, der auf der Suche nach einer brasilianischen Musik für das Chole-Festival war.

Beatenberg, wo das Pflanzenkohlen-Symposium stattfindet, ist nicht zufällig gewählt, denn das Dorf hat eine Geschichte mit Kohle. Vor 180 Jahren wurde dort Kohle abgebaut, um Gas für die Beleuchtung der Stadt Bern zu gewinnen, die erste Stadt in der Schweiz, die eine Strassenbeleuchtung einführte. Eine Geschichte über die Entdeckung von Licht in Verbindung mit Kohle, die sich nun auf einer anderen Ebene, diesmal international, wiederholt und vielen Gebieten durch Pflanzenkohle zu mehr Leuchtkraft verhilft. Beatenberg also geradezu prädestiniert, die Wiege dieser von der schwarzen Erde des Amazonas inspirierten Bewegung zu sein.

Deshalb hat c-werk Brasilien als Gastgeberland für das diesjährige Pflanzenkohlen-Symposium eingeladen und Floriano kann mit seinem Akkordeon dem Ruf seiner Sehnsucht folgen. Speziell für diesen Anlass hat er eine Band zusammengestellt, die er „Forro de Fole“ nennt. Forro ist eine traditionelle Volksmusik aus dem Norden Brasiliens und Fole heisst Blasbalg – eine „Blasbalgmusik“ also.

Neben der Musik gibt es an diesem Sonntag auch typisch brasilianische Leckerbissen, zubereitet auf Pyrolyse-Öfen.

Ich selbst bin auch Brasilianerin und werde am Festival Kunst-Werke von mir zeigen, die ich mit Pflanzenkohle gestalte.

A sanfona e a terra preta

Aos seis anos de idade, Floriano recebeu um acordeão de seu pai. No meio de sua carreira musical-acadêmica internacional, Floriano sentiu falta de tocar seu acordeão novamente. Exatamente nesse momento, ele conheceu Hans-Peter Hufenus, do c-werk, que estava procurando música para o Festival do biocarvão. Para o simpósio do biocarvão deste ano, o c-werk convidou o Brasil como país anfitrião, e assim Floriano pode responder ao apelo de seu anseio com seu acordeão. Especialmente para esta ocasião, Floriano montou uma banda que ele chama de „Forro de Fole“. Forró é uma música folclórica tradicional do norte do Brasil .

Não é coincidência que Beatenberg esteja profundamente envolvida com o biocarvão. O local onde está acontecendo o Simpósio de biocarvão não é escolhido por acaso, porque Beatenberg tem uma história com o carvão. Há 180 anos, o carvão era extraído ali para fornecer gás para a iluminação da cidade de Berna, que na época foi a primeira cidade na Suíça a introduzir a iluminação pública. Uma história sobre a descoberta da geração de luz em conexão com o carvão, que agora está sendo repetida em outro nível, desta vez internacionalmente, ajudando muitas áreas a se tornarem mais iluminadas através do biocarvão. Assim, de alguma forma Beatenberg está predestinada a ser o berço deste movimento engenhoso inspirado na terra negra da Amazônia.

No domingo, 4 de setembro, o  dia da Terra Preta será comemorado com o Brasil como país anfitrião. Além da música brasileira, haverá também iguarias típicas brasileiras, preparadas em fornos de pirólise.

Eu também sou brasileira e estarei exibindo minhas obras no festival, nas quais uso carvão vegetal.

Edite do Carmo

 

Schwarzes Gold

Ich habe heuer mehr Ölsonnenblumen angebaut als sonst. Die ukrainischen Kolleginnen und Kollegen werden sich diese Saison sicher eher damit beschäftigen müssen, Leib und Leben zu retten, als um die Friteusenfüllstände der restlichen Welt. Nun ist es leider so, dass dieses Jahr im kalkreichen, schwarzen Tscherosemboden (Schwarzerde) meines Feldes die tiefwurzelnden, stark ausläuferbildenden Ackerkratzdisteln so üppig sprießen wie noch nie. Jedes Jahr sind die Bedingungen anders, selbst die Schwerpunkt-Unkräuter. Warum das so ist, weiß ich nicht. Beim Disteljäten versüßt man sich die Arbeit gerne mit allerhand gedanklichen Ausflügen oder versenkt sich in Erinnerungen.

So ist mir auch dieses, nach meinem Empfinden erstaunliche Buch von Leah Penniman (Landwirtin im US-Bundesstaat New York), das ich vor zirka 2 Jahren gelesen hatte, wieder eingefallen. Dadurch bin ich auf die uralte Tradition zur Herstellung von anthropogenen Schwarzerden in West- und Zentralafrika erst aufmerksam geworden.

Ihrer Ansicht nach gehören Landraub und Ausbeutung von menschlicher Arbeitkraft bis heute zu den zwei grundlegenden „DNA-Strängen des weltweiten Ernährungssystems“.

Besonders dem Thema „Lebensmittel Apartheid“ wollte sie auf ihrer Farm begegnen. In schwarzen Vierteln amerikanischer Städte existiert meist gar keine Infrastruktur mehr um sich mit frischen, qualitativ hochwertigen Lebensmittel zur versorgen. Sie gründete ihre „Netflix für Gemüse“-Initiative, wobei Produktion und Zustellung solidarisch-gemeinschaftlich betrieben wird. Solidaritätsbeiträge schaffen auch die Möglichkeit in finanzielle Not geratene Mitglieder mit hochwertigen Nahrungsmitteln zu versorgen. Auch hier steht sie in der Tradition von zahlreichen, sehr erfolgreichen, historischen, afro-amerikanischen Initiativen und Vordenkern, die jedoch immer wieder bekämpft, denen die finanziellen Mittel entzogen wurden und aus dem allgemeinen Geschichtsbewusstsein schlichtweg verschwunden sind.

Sie merkte auch zunehmend, dass viele heutige Nachkommen ehemaliger Sklaven dieses „Trauma mit der Erde“ mit und in sich tragen. Das Land war nur die Bühne, nicht der Verbrecher, betont sie immer wieder und dass die Berührung und Arbeit mit der Erde wieder vieles davon heilen kann. Sie versteht sich als „Brutkasten-Farm“ für viele weitere Initiativen dieser Art und vermittelt entsprechende Ausbildungsprogramme.

Vor allem traditionelle afrikanische Bodenbewirtschaftungsmethoden werden auf ihrer Farm gepflegt.

So auch die Herstellung der „Schwarzen Erde der afrikanischen Frauen“, wie Sie es nennt und bei Reisen durch Ghana und Liberia noch kennenlernen durfte.

Pflanzenkohle wird durch Entzünden getrockneten Grünschnittmaterials in Erdgrubenkanälen hergestellt. Sobald die Flammen gräulich-blau werden, wird die Grube mit ca. 2-3 cm Erde bedeckt. Ich hätte dazu noch herausgefunden, dass diese Methode der Holzkohlenherstellung (soil burning bzw. écobuage) meist in-sitiu, also direkt im Ackerboden angewendet wurde und anscheinend sehr weit verbreitet war. Aber von den europäischen Kolonialherren lediglich als Akt des Vandalismus erkannt und somit sehr bald verboten wurde.

Die Pflanzenkohle wird gemeinsam mit Speisereste, Knochen- (Ca- und P-reich) und Schlachtabfälle (N-reich), Ölpresskuchen (in Afrika von Ölpalmen; P-, N- und außerordentlich energiereich) und Abfälle aus der Seifenherstellung sowie Holzasche (K-reich) kompostiert.

Leah empfiehlt dazu eine langsame aerobe Kompostierung ganz ohne arbeitsaufwändiges Umsetzen. Die Kompostierung ähnelt sehr der Arbeitsweise von Margarete Langerhorst (in ihrem Fall ohne tierische Komponenten, Margarete ist strikt vegan). Eine Schicht „Grünes“ (N-, P-, saftig, energiereich) und eine Schicht „Braunes“ (C-reiches lockeres Material sorgt für Belüftung, wie z.B. Biokohle, Zweige, Stroh, Heu, Laub, Holzhäcksel, Äste und Zweige)

Anthropogene Schwarzerden werden in West- und Zentralafrika, genauso wie auch im westlichen Amazonasgebiet, auf archipelartig angelegten Waldinsel-Siedlungen gefunden. Allerdings nennt man sie hier je nach lokaler Sprache etwas abweichend „verlassene Dorfruinen“ wie z.B. ‘pulo ce pomdo’ (pulo = Erdboden ce pomdo = altes Dorf) oder tombondu (tombon = Ruine, du = Erde). In diesen schwarzen Erden fand man häufig vergrabene Pomdo-Statuetten (pomdo = die Verstorbenen).

Leah Penniman betont in ihrem Buch, dass Sklavenhändler nicht wahllos vorgingen, sondern eher im Sinne heutiger „Headhunter“. Man suchte gezielt nach Sklaven, die schon über großes, garten- und ackerbauliches Know-How unter tropischen und subtropischen Klimabedingungen verfügten. Das könnte auch eine Erklärung sein, warum sich auf diesen Schwarzerdevorkommen heute in den allermeisten Fällen keine belebten Dörfer mehr befinden, nur mehr Ruinen.

Jene Frauen, die schon befürchten mussten, bald gefangen genommen zu werden, flochten sich gegenseitig zur Vorsorge die Samen ihrer traditionellen Kulturpflanzen in ihr Haar. Wo auch immer sie hin verschleppt würden, wie schlecht die Böden dort auch wären, ein paar Samen und das Wissen um die schwarze Erde reichten aus, um ihren Nachkommen ein gutes Leben zu bescheren, so ihre Hoffnung.

Hier ein paar Eindrücke von ihrer Farm und ihrer Arbeit.

Und hier ein Video von Magarete Langerhorst, zu ihrer, meines Erachtens sehr erprobten, ausgeklügelten Gemüsebau-Methodik und ihrer Art der Kompostierung, die freilich durch den Zusatz von Holzkohle sicher noch besser wäre.