Chole-z’Mittag

„Was für eine schöne Idee und die Älplermaggaronen schmecken wunderbar.“

Das ruft mir eine einheimische Beatenbergerin mit einem Strahlen im Gesicht zu. Ich drücke ihr das Chole-Säckli als Geschenk in die Finger und erzähle nicht weniger strahlend vom Kohlenkreislauf.„Die Kohle in diesem Säckli entsteht während dem Kochen der Älpermaggaronen. Wenn mein Kochherd, der Pyrolyseofen ausgebrannt ist, lösche ich die Glut mit Wasser und das was übrig bleibt, ist beinahe reiner Kohlenstoff. Die pulverisierte Pflanzenkohle kannst Du fingerbreit am Boden deines Kompostkübelis einstreuen. Der Kompost stinkt und schimmelt nicht mehr und die Kohle nimmt die Nährstoffe und verbessert so die Qualität des Humus. Somit wachsen die Zwiebeln in deinem Garten besser und ein Kreislauf schliesst sich. Und das Beste am Ganzen: dadurch dass der Kohlenstoff im Boden bleibt und nicht als CO2 in die Luft raus geht, tust Du etwas fürs Klima.“

Ich bin mir nicht sicher, ob sie alles verstanden hat, was ich ihr erklärt habe. Aber sie blickt neugierig drein und verspricht, dass sie das ausprobieren will.

Und sie komme wieder vorbei. Zum Älplermaggaronen-Schmaus und um noch mehr über regenerative Kreisläufe zu erfahren.

Jeden Mittwoch Mittag ab 12 Uhr im Burgfeld-Bistro Beatenberg.

 

Licht ins Dunkel

„Wenn wir nachts durch die hellerleuchteten Gassen und Lauben gehen, können wir uns kaum vorstellen, wie finster die Stadt früher einmal war. Höchstens das Finstergässchen erinnert ein wenig an die alten Zeiten, als der Berner Rat sich häufig mit den Folgen der nächtlichen Dunkelheit befassen musste. Leute stolperten und stürzten, es gab zahlreiche Arm- und Beinbrüche und Raubüberfälle von fremdem Gesindel. Wer nach 9 Uhr abends die Gassen ohne Laterne betrat, erhielt eine Gefängnisstrafe, und noch im 18. Jahrhundert mussten sich die vornehmen Damen abends von ihren Dienstmädchen begleiten lassen, die ihnen mit sogenannten Visitenlaternen den Weg durch die dunklen Lauben zündeten“

„Gestern Abend hat man zum ersten Mal versuchsweise das Gas „losgelassen“. Vom Zeitglockenturm bis zur Nydegggasse war alles blendend hell erleuchtet, aber es verbreitete sich überall ein Kadavergestank. Man glaubt in einigen Tagen die ganze Stadt beleuchten zu können“. Nachdem an verschiedenen Stellen undichte Leitungen geflickt worden waren, glückte am 25. April 1843 endlich die Sensation jener Jahre: Bern – als erste Schweizer Stadt war hell erleuchtet“*

Dass es die Kohle, welche die Stadt Bern zum Leuchten brachte,  aus dem Berner Oberland, unter anderem aus Beatenberg stammt, wird in diesen Erzählungen nicht erwähnt. Die Ferrger, welche am Niederhorn in den Stollen schufteten, und die Schlittner, die auf dem „Kohlenschleef“ nach dem Transport der Kohle zum Thunersee die gebuckelten Holzschlitten wieder den Berg hinauf stemmten – keine Beachtung wert. Das Projekt C-Werk will das ändern und jenen Ungewürdigten einen sichtbaren Platz in der Geschichte verschaffen.

Am Pilgerpfad zur Beatushöhle, auf welchem Bundesrätin Sommaruga am 26. Juli mit ihrer Erst-Augustwanderung den alten Kohlenschleef kreuzte, wurde eine Erinnerungstafel angebracht. Sie durfte dort zwar nur kurzfristig hängen, weil es eigentlich der Platz einer anderen Tafel ist, eine Infotafel zum Heartbeattrail, welcher am 29. Juli eingeweiht wird und welcher in seiner Linienführung dem alten Kohlenschleef folgt.

Annekdoten aus jener Zeit werden am Chole-Festival vom 21./22. August in Beatenberg erzählt von Ueli Wenger, Rainer Kündig und Sabina Fischer.

*Aus Berner Gassen: Eduard Rieben, Barbara Traber

Entstehungsgeschichte: Stecknadeln in der Landschaft

Wenn sie in der Landschaft von Beatenberg unterwegs sind, begegnen sie da und dort einer überdimensionalen Stecknadel mit einem gelben Kopf. Wir vom c-werk freuen uns, wenn sie die Nadel stehen lassen, denn sie markiert ein Kapitel aus einem „begehbaren Buch“. Eine Projekt im Rahmen der c-werk-Initiative.
Nun aber der Reihe nach.
Im September 2020 traf ich mich mit Roland Noirjean. In meinem Rucksack hatte ich eine Ideenskizze für einen Themenweg in der Beatenberger Landschaft dabei. Um die Mensch-Natur Beziehung soll es auf diesem Weg gehen, touristisch nutzbar, jedoch mit Bildungsanspruch und das alles eingebettet in eine Vision zum „gelingenden Leben*“. Roland hörte mir interessiert zu. Seine Augen leuchteten und er meinte: das müssen wir sachte angehen, Schritt für Schritt.
So wurden im Rahmen von zwei Workshops die bestehenden Wander-und Bikewege unter die Lupe genommen. Mitgewirkt haben rund 12 Vertreter*innen aus der Gemeinde, dem Tourismus, dem Bauwesen und Spezialist*innen zu Fragen rund um die Wege.
„Das Tourismusangebot mit den Wanderwegen im Beatenberg ist vielfältig und gut unterhalten. Vernetzt denken und die Kooperation unter den Beteiligten fördern ist wichtig.“ Das war eine wichtige Erkenntnis und das Vorhaben wurde unter das Dach des Ortsentwicklungsprozesses „Beatenberg belebt“ gestellt. Eine Arbeitsgruppe „Freizeit- und Tourismusinfrastrukturen“ ist gebildet.
Den Faden, diesen Weg zu realisieren, wollte ich weiterspinnen. So beschloss ich im November 2020 Hans-Peter Hufenus auf den Beatenberg einzuladen. Er forscht schon seit vielen Jahren in den tiefen Schichten der Mensch-Natur Beziehung und ich wusste, dass er ein Buch geschrieben hat, welches im Frühling 21 erscheinen soll. Auf unserem gemeinsamen Spaziergang wurde dann rasch klar, dass die Verbindung zwischen dem Buch und dem Weg durch die Beatenberger Landschaft eine heisse Spur sein könnte.
In der darauf folgenden Besprechung mit Roland Noirjean, Gemeindepräsident von Beatenberg, und Thomas Tschopp, dem Leiter von Beatenberg Tourismus, tauchte dann die Kohle auf …
Das ist eine andere Geschichte 😉
Das Projekt des Themenweges hat sich in die Idee eines „begehbaren Buches“ gewandelt. Das Buch „Urmensch-Feuer-Kochen“ erzählt auf schmackhafte Weise und angereichert mit persönlichen Erlebnissen und Kochrezepten, 17 Etappen der Menschheitsentwicklung. Die Stecknadeln in der Landschaft stehen für einen Lernraum in der Landschaft. 17 Stecknadeln, 17 Lernräume verknüpft mit den 17 Kapiteln des Buches. An den Plätzen, wo jetzt die Stecknadeln stehen, wird auf interaktive Art und Weise Wissen vermittelt und zum Handeln und Entdecken eingeladen.
Bei Fragen und Anregungen melden sie sich bitte unter info@c-werk.ch.

Wir halten sie hier auf dem Laufenden!

Christian Mulle

 

*Der Begriff des gelingenden Lebens stammt aus dem Buch „Resonanz“ von Hartmut Rosa, Suhrkamp, 2019