Embers of society
Wenn wir Menschen fragen, welches ihre wichtigste Jahreszahl ist, dann nennen sie wohl mehrheitlich ihr Geburtsjahr. Vielleicht auch ihr Hochzeitsdatum. Fragen wir Nationen, ist es ihr Gründungsdatum, oder das Datum eines grossen Sieges über ein anderes Land. Für uns von c-werk ist es 1843, das Jahr, an dem Beatenberger Kohle die dunkeln Gassen Berns erstmals erleuchtet. Aber das von uns am häufigsten gebraucht ist zweifellos die aktuelle Jahreszahl 2026. Obwohl eigentlich das Geburtsjahr des christlichen Religionsgründers, wird sie in der ganzen Welt eingesetzt.
Wenn wir uns aber fragen, was denn menschheitsgeschichtlich eines der wichtigsten Daten ist, dann müsste man wohl die Zahl 12026 nennen.
Vor ungefähr 12’000 Jahren haben die Sapiens die südlichste Spitze Amerikas erreicht, womit die Besiedelung des Planeten mit Ausnahme der entfernteren Meeresinseln abgeschlossen war. Ab jetzt war es nicht mehr möglich, einer durch Bevölkerungswachstum entstehenden bedrohlichen Nahrungssituation durch Abwanderung in unbesiedeltes Gebiet auszuweichen.
Ebenfalls vor 12’000 Jahren begannen die Menschen in Europa, begünstigt durch das Abschmelzen der Gletscher am Ende der letzten Kaltzeit, die Berggebiete und den Norden Europas zu besiedeln.
Das wohl nachhaltigste und einschneidenste menschheitsgeschichtliche Geschehen war aber wohl der Übergang vom Wildbeutertum zur Agrarwirtschaft, welcher vor etwa 12’000 Jahren in Mesopotamien seinen Anfang nahm. Ein Ereignis, welches als «die Vertreibung aus dem Paradies» in den alten Schriften festgehalten wird. Lebten die Sammler und Jägerinnen davor in einer Welt, wo sie für die Nahrungsbeschaffung nicht mehr als zwei Stunden im Tage investieren mussten, wie eine vergleichende Studie bei den indigenen Yanomami im brasilianischen Urwald nahelegt, hiess es fortan sein Brot «im Schweiße deines Angesichts» zu essen. Die Ursache für die Vertreibung aus dem Paradies, sagt die Bibel, sei verursacht durch eine Sünde von Adam und Eva. Die wahre Ursünde – meinen die Autoren von «Tagebuch der Menschheit» – sei die Überbevölkerung gewesen.
Der Prozess, der gemeinhin als die «landwirtschaftliche Revolution» bezeichnet wird, zog sich in Wirklichkeit lange dahin und erfasste nach und nach Regionen der Welt. Dies immer als Folge von Bevölkerungswachstum und mit den Elementen: Patriarchalisierung und Hierarchisierung der Gesellschaften, Sklaventum und Kriege.
Aber was war vor dieser Zeit? Alle archäologischen und paläogenetischen Forschungen sagen dasselbe, die Sapiens lebten, wie schon ihre Vorfahren die Erectus, in egalitären Gruppen zusammen. Bestätigt wird dies durch das Studium der San-Völker, welche genetisch am nächsten bei den Ur-Sapiens liegen. In der Studie „Embers of society: Firelight talk among the
Ju/’hoansi Bushmen“ erzählt eine von ihnen der Ethnologin Polly W. Wiessner „We had a government, that was the ember“ übersetzt „Wir hatten eine Regierung, das war die Glut“.
Polly W. Wiessner spielt im Titel der studie mit dem Begriff „ember“ (Glut), der klingt wie „member“ (Mitglied). Die Holzkohlenglut als lebendiges Mitglied der menschlichen Gemeinschaft, das erinnert etwas an unseren Kohlengeist



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